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Wie baue ich ein Feuerbohr-Set

Wollt Ihr lernen ein Feuerbohrer-Set selbst herzustellen? Dann lest unseren neusten Blog-Beitrag!

Einleitung

Ein Feuerbohr-Set selbst herstellen zu können, ist ein zuverlässige und archaische Methode, um in vielen Regionen der Welt ein Feuer entfachen zu können. Wer es erstmalig mit seinem selbst hergestellten Feuerbohrer-Kit geschafft hat, erfolgreich eine Glut zu bohren, der wird diesen Moment des Glücks und Freude nicht so schnell vergessen. Zudem erhalten wir ein Gefühl dafür, wie abhängig unsere Vorfahren waren von dem Wissen und der Fähigkeit ein Feuer zu entfache, um sich zu wärmen oder Essen sicher zubereiten zu können.

Wer die Fähigkeit beherrscht Feuer zu bohren, der beherrscht auch die notwendigen Schnitztechniken und hat das richtige Wissen über Pflanzen und Holz.

Wer ein Reibungsfeuer erfolgreich entfachen möchte, der braucht nicht nur die richtigen Komponenten und Technik, sondern auch die richtigen Pflanzenmaterialien und Holzarten, damit Ihr am Ende auch eine schöne Glut erhaltet.

Wollt Ihr lernen die richtigen Baumaterialen für euren eigenen Feuerbohrer-Set zu finden? Dann schaut euch meinen Blog-Beitrag “Das beste Holz fürs Feuerbohren” an. Mit der richtigen Auswahl der Materialien können bereits Einsteiger in dem Thema erste Erfolge beim Feuerbohren erfahren.

Bis wir unsere erste Glut bohren können, müssen wir erst einmal verstehen, welche Funktion jede Komponente eines Feuerbohrer-Sets hat, aus welchem Holz diese bestehen sollte und wie diese am Besten herzustellen sind.

Aufbau eines Feuerbohrer-Sets

Grundlegend besteht ein Feuerbohrer-Set aus den Komponenten

  • Bogen
  • Spindel
  • Druck- oder Haltestück
  • Schnur
  • Bohrbrett

Wie du diese einzelnen Komponenten selbst herstellst, erkläre ich dir in den nächsten Schritten. Doch vorher beschäftigen wir uns noch kurz mit dem “Feuerdreieck“.

Das Feuerdreieck

Dieser Begriff kommt aus der “Verbrennungslehre”. Eine Verbrennung ist letztendlich ein chemischer Vorgang, bei dem drei Dinge vorhanden sein müssen: Sauerstoff (ohne diesen kann kein Feuer entstehen oder erhalten bleiben), Brennmaterial (das Material muss brennbar sein) und Energie (Wärme/Hitze).

Diese drei Dinge müssen zeitgleich in einem richtigen Verhältnis vorhanden sein, damit ein Feuer stabil brennt.

Um Holz zu entflammen, brauchen wir über eine längere Zeit eine Energie von 250-350 Grad Celsius. Um also Holz überhaupt zum glimmen zu bekommen, müssen wir mittels unserer Spindel, in Verbindung mit unserem Bohrbrett, durch Reibung Holzstaub herstellen und diese zum glimmen bringen.

Welches Holz für mein Feuerbohrer-Set?

Wer sich in einer Notsituation befindet, in der ein Feuer entfacht werden muss, der kann natürlich nur die Naturmaterialien verwenden, die in seiner Umgebung vorhanden sind. Damit muss er versuchen ein Feuer zu entfachen.

Wie bei vielen Arten des Reibungsfeuers hängt der Großteil des Erfolg, von der richtigen Auswahl der Holzkombination meiner Komponenten und der richtigen Technik ab.

Aus der nachfolgenden Liste könnt ihr entnehmen, welches Holz sich für den Bau einer Komponente optimaler Weise eignet:

KomponenteHolzart
Spindelz.B. Buche, Linde, Haselnuss, Pappel
Bohrbrettz.B. Linde, Fichte, Pappel, Weide
Druckstückz.B. Robinie, Haselnuss, Buche, Holunder
Übersicht welche Holzart für welche Komponente am Besten geeignet ist

Es ist zu empfehlen, das Feuerbohren regelmäßig mit unterschiedlichen Holzarten zu trainieren, um ein Gefühl und Erfahrung zu bekommen, welche Kombination wie miteinander funktionieren!

Besonders das Holz der Linde als Spindel und Bohrbrett hat sich als optimale Kombination gerade für Einsteiger herausgestellt!

Die einzelnen Komponenten eines Feuerbohrers

Der Bogen

Der Bogen hat zusammen mit einer Schnur oder einer Kordel die Aufgabe, die Spindel in eine Rotationsbewegung zu überführen. Für den Bau eignen sich stabile und harte Äste, welche optimaler Weise entweder leicht gekrümmt sind oder an einem Ende eine Astgabel besitzen.

Kurzer oder langer Bogen?

Ein “großer” Bogen (Länge von der Schulter bis zur Fingerspitze) hat natürlich den Vorteil, dass man mehr “Weg” ausnutzen und “kraftsparend” gebohrt werden kann. Jedoch neigen vor allem “Anfänger” dazu, den Bogen beim Feuerbohren nicht gerade zu halten, mit dem Ergebnis, dass die Spitze des Bogens ins Erdreich gestoßen wird. Dabei kommt der gesamte Prozess des “Feuer”-Bohrens zum stocken und es kann nicht genügend Reibung erzeugt werden. Man beginnt also wieder von vorne.

Daher empfehle ich besonders zu Anfang sich einen Ast in der Länge von den Fingerspitzen bis zum Ellenbogen anzupassen und damit einen kleineren Bogen zu bauen. Da wir hier nicht den langen Weg, wie beim einem großen Bogen haben, müssen wir beim “bohren” selbst mit einer höheren Frequenz arbeiten.

Habe ich nun den für mich richtigen Ast für meinen Bogen gefunden, so wird am Ende mit dem Messer eine Kerbe eingeschnitzt, in der später eine Schnur befestigt wird. Zu Anfang wird es oftmals Paracord oder der eigene Schnürsenkel sein. Richtige “Waldläufer” nutzen später aus Naturmaterialien selbst hergestellte Schnüre wie z.B. aus jungen Fichtenwurzeln.

Hat man einen Ast mit Astgabel so wird am Ende der Astgabel ebenfalls eine Kerbe geschnitzt. Bei einem Ast ohne Astgabel kommt die Kerbe ans Ende des Astest

Das Herzstück: Die Spindel

Nachdem wir nun den Bogen fertig gestellt haben, kommen wir nun zur Spindel. Damit ihr vor allem als “Einsteiger” Unruhe in der Spindel durch z.B. “Unwucht” vermeidet, bevorzuge ich ein gerades Stück Holz z.B. von einem Haselnussbaum. Der Ast für die Spindel muss absolut trocken sein. Um herauszufinden ob das Stück holz auch wirklich trocken ist, könnt ihr die Rinde mit dem Messer ankratzen. Schimmert es darunter “grün” so ist der Ast nicht trocken und damit nicht geeignet. Zudem kann auch der bekannte “Lippentest” eingesetzt werden, um herauszufinden, ob der Ast trocken genug ist.

Von der Länge sollte die Spindel ca. 15 – 20 cm lang sein. Achtung! Je Länger die Spindel, desto eher neigt diese dazu, zu schwingen. Vom Durchmesser sind 2-3 cm optimal. Die Rinde empfehle ich an der Spindel zu lassen, so lange diese fest ist und nicht abblättert, um die Reibung zwischen Schnur des Bogens und der Spindel zu erhöhen.

Nun wird eine Seite der Spindel, sowie wie auf dem unteren Bild zu sehen ist, abgerundet. Diese Seite ist das heiße Ende, welches zusammen mit dem Bohrbrett später den Holzstaub erzeugt. Dieses Stück soll so viel Reibung wie möglich erzeugen:

Die andere Seite wird konisch verjüngt und bildet zusammen mit dem Druckstück das kalte Ende. Sie wird so verjüngt, das so wenig Reibung wie möglich zwischen dem Drückstück und der Spindel entsteht.

Das Druckstück

Das Druckstück, welches später von der nicht dominanten Hand gehalten wird, sollte ein Stück aus Hartholz wie z.B. Kirsche oder Robinie sein. In dieses wird mit dem Messer eine Vertiefung eingeschnitzt , welches die Spindel an dem kalten Ende führt. Damit die Vertiefung nicht zu heiß wird, sollte das Druckstück nach Möglichkeit nicht trocken sein. Es funktioniert am Besten, wenn das Holz frisch ist und aus Hartholz besteht. Mögliche Alternativen zu einem Druckstück aus Holz wären z.B. entsprechend geformte Steine.

Vom Durchmesser her versuchen wir das Stück Holz so zu wählen, dass es bequem in unsere Hand passt. Dazu wird das Holz entweder gespalten oder es wird mit einem Messer auf einer Seite abgeflacht.

Das Bohrbrett

Für das Bohrbrett benötigen wir Holz von einem Weichholzbaum. Das Holz muss trocken und möglichst gerade sein, sowie in einer Dicke, dass man nach dem Spalten ein Stück von 2 – 2,5 cm Stärke erhält. Dazu wird das Holzstück zur Not mit dem Messer auf der Ober- und Unterseite auf das gewünschte Maß geschnitzt. Es sollte zudem so lange sein, dass man es mit dem bequem mit dem Fuß auf den Boden stabilisieren kann.

Nun wird mit dem Messer in das Bohrbrett ein Loch vorgebohrt, dass vom Rand des Bohrbretts ca. 3/4 des Spindeldurchmessers beträgt.

Das Bohrbrett sollte optimaler Weise keine Äste haben, denn dort ist die Dichte des Holzes höher, was das “Bohrergebnis” negativ beeinflussen kann.

Wie bohre ich ein Feuer?

Sobald alle Komponenten fertig hergestellt und aufeinander angepasst sind, wird es Zeit mit dem Feuerbohren zu beginnen:

Schritt 1: Anbohren

  • Wir nehmen die Spindel und setzen diese auf das im Bohrbrett geschnitzte Loch. Diese Loch wird benötigt, um eine Grundstabilität in die Spindel beim anbohren zu bekommen. Es ist (noch) nicht das Ziel, eine Glut zu erzeugen.
  • Zusammen mit dem Druckstück und dem Bogen rotieren wird die Spindel so lange, bis wir ersten Qualm erzeugt haben, leichter Abrieb zu sehen ist und die Spindel stabil in der Führungskerbe rotiert. Sobald das der Fall ist hören wir auf!
  • Damit sich später der Bohrstaub auch an der richtigen Stelle sammelt, wird nun eine Kerbe von ca. 45 Grad eingeschnitten.

Schritt 2: Feuer bohren

  • Jetzt beginnt das eigentliche Feuerbohren. Dazu legt ihr unter eurem Bohrbrett bzw. genauer gesagt unter die geschnitzte Kerbe etwas Birkenrinde oder ein Blatt, so dass der Bohrstaub dort aufgefangen und gesammelt wird.
  • So wie beim Anbohren, fangt ihr wieder an mit wenig Druck und langsamen Bewegungen des Bogens die Spindel zu rotieren. Ihr solltet nach kurzer Zeit den ersten Rauch sehen. Wenn nicht kann etwas mit der Technik oder der Materialkombination nicht stimmen. Auch kann es sein, dass die Komponenten einfach noch nicht trocken genug sind!
  • Sobald sich Rauch entwickelt: Gebt jetzt richtig Gas und hört nicht auf! Erhöht über das Druckstück den Druck auf die Spindel und bewegt den Bogen so schnell, aber immer noch stabil, wie ihr könnt.
  • Ganz wichtig! Nicht sofort die Spindel und das Bohrbrett entfernen, um sich das Ergebnis anzuschauen. Wurde alles richtig gemacht, habt ihr alle Zeit der Welt! Die Spindel verbleibt kurz im Bohrloch. Hebt diese dann langsam an und legt sie zur Seite. Das Bohrbrett kann nun langsam und ruhig angehoben werden.
  • Seht ihr nun ein qualmendes Häufchen, habt ihr alles richtig gemacht! Glückwunsch! Ihr könnt nun mit der Hand vorsichtig Sauerstoff zufächeln, bis die Glut stabil genug ist, um diese vorsichtig in ein Zundernest zu überführen.

Die häufigsten Fehler beim Feuerbohren

Übersicht der Fehler und dessen Ursache

FehlerUrsache
Der Feuerbohrer wird beim Bohren in den Boden gerammtDer Ast für den Feuerbohrer wurde zu groß ausgewählt.
Bohrspindel verkantetBohrspindel ist zu stark im Bogen eingespannt
Die Spindel läuft nicht stabilDas Druckholz ist nicht optimal an die Bohrspindel angepasst.
Die Druckhand ist zu unruhig / instabil
Die Bohrspindel ist zu lang.
Bohrspindel verglastDas Bohrbrett ist zu hart (falsche Holzauswahl).
Die Bohrspindel “bohrt” auf einem Astansatz, an der die Dichte des Holzes höher ist.
Die Spindel springt immer aus dem DruckstückDie Führungskerbe des Druckstücks passt noch nicht optimal auf die “kalte” Seite der Spindel.
Fehlerübersicht mit möglichen Ursachen

Wenn es am Anfang nicht direkt funktioniert ist das vollkommen OK. Seht das Ganze bitte als Handwerk, welches es auch ist. Jedes Handwerk benötigt viel Übung, um es sicher zu beherrschen und noch mehr Übung, um es zu perfektionieren. Bleibt dran und ihr werdet Schritt für Schritt besser!

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